Diabetes bei Kindern – PD Dr. med. Katharina Warncke im Gespräch

Die München Klinik Schwabing ist eine von deutschlandweit etwa 100 Kliniken und Arztpraxen, die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als Diabetes Exzellenzzentrum DDG zertifiziert wurden. Ein Schwerpunktthema der Forschung und Behandlung ist hier Typ-1-Diabetes, eine Autoimmunerkrankung, die oft bereits im Kindesalter auftritt. Das Immunsystem greift dabei die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an. Bleibt die Krankheit unbehandelt, verläuft sie tödlich. Oberärztin PD Dr. med. Katharina Warncke leitet die Kinderendokrinologie und -diabetologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin: Eine Kooperation der München Klinik und des Klinikums rechts der Isar der TUM. Im Rahmen der Aktion „Unser Wundertiger erfüllt Herzenswünsche“ wünschte sich ihre Abteilung ein Laptop und ein Schulungsset. Im Gespräch erzählt sie uns über die Erkrankung und worauf es im Klinikalltag ankommt.

Frau Dr. Warncke, als Endokrinologin sind Sie Fachärztin für Erkrankungen des Hormonhaushalts und für Diabetes. Typ-1-Diabetes gehört zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter. Wieviel Raum nimmt diese Erkrankung in Ihrem Klinikalltag ein?

In unserer Klinik behandeln wir 70 bis 80 Kinder und Jugendliche mit einer Neuerkrankung pro Jahr und haben 300 bis 400 Patientinnen und Patienten in Dauerbetreuung, die immer wieder kommen. Damit nimmt die Erkrankung einen großen Raum in meinem Klinikalltag ein.

Was sind die besonderen Herausforderungen, wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes zu Ihnen in die Klinik kommen?

Viele Patientinnen und Patienten wissen noch nichts Genaueres über ihre Erkrankung, wenn sie zu uns kommen. Da geht es zunächst darum, die Stoffwechsellage wieder herzustellen. Wir versuchen, den Betroffenen und ihren Angehörigen die Ängste zu nehmen, die die Diagnose einer chronischen Erkrankung oft hervorruft und legen viel Augenmerk darauf, sie umfangreich zu schulen. Schließlich sollen sie mit der Erkrankung möglichst gut im Alltag zurechtkommen und auch möglichst wieder den gleichen Alltag leben können wie vorher.

Wie behandeln und begleiten Sie die Kinder und Jugendlichen auch über den stationären Aufenthalt hinaus?

Am Anfang sind die Kinder und Jugendlichen etwa 10 Tage stationär bei uns und werden dort von unterschiedlichen Berufsgruppen wie Ärzten, Diabetesberatern, Psychologen, Lehrern und dem Sozialdienst unterstützt. Nach der Entlassung können sie weiterhin ambulant betreut  werden. Am Anfang sehen wir die Patientinnen und Patienten nach Bedarf relativ engmaschig und im Verlauf dann ca. einmal im Quartal. Wenn zwischendurch Fragen oder Probleme auftauchen, können sie sich immer an uns wenden.

Was passiert, wenn Diabetes unbehandelt bleibt?

Zuerst bekommt man sehr viel Durst und muss immerzu Wasser lassen. Irgendwann würde man schnell zu atmen beginnen, ins Koma fallen und schließlich daran sterben. Bevor man Insulin vor über 100 Jahren entdeckt hat, sind alle Menschen an dieser Erkrankung verstorben.

Lässt sich eine Entwicklung dieser Erkrankung durch frühzeitige Diagnostik verhindern?

Im Moment noch nicht zu 100 Prozent, aber man ist dran. In den USA zum Beispiel ist kürzlich ein Medikament zugelassen worden (Teplizumab), das den Ausbruch der Krankheit bei Menschen, die ein hohes Risiko haben, zumindest um einige Jahre verzögern kann.

Im Rahmen der Aktion „Unser Wundertiger erfüllt Herzenswünsche“ haben Sie sich im Diabetes-Team ein Schulungsset für Patienten mit Diabetes gewünscht. Wie möchten Sie es einsetzen?

Das Schulungsset ist speziell für die Sensorschulung vorgesehen. Es gibt Sensoren, die permanent den Blutzucker messen und Über- oder Unterzuckerungen mit einem akustischen Signal melden. Damit brauchen Eltern – zum Beispiel in der Nacht – keine Angst davor zu haben, dass ihr kleines Kind unterzuckert. Das Schulungsmaterial hilft den Patientenfamilien dabei, richtig mit den Sensoren umzugehen.

Wenn Sie an Ihre Patientinnen und Patienten denken: Was war für Sie ein besonders einprägsames Erlebnis?

Es ist eigentlich kein einzelnes Erlebnis. Das, was für mich immer wieder besonders schön ist, ist die Entwicklung von Patientinnen und Patienten über die Jahre mitzuerleben. Am Anfang sind sie in diesem Schockzustand, auf einmal eine neue chronische Erkrankung zu haben. Dann ist es für die meisten Familien in den ersten Wochen wahnsinnig schwierig sich im Alltag zurechtzufinden. Aber wenn man die Patientinnen und Patienten über die Jahre betreut, bis sie uns nach vielen Jahren im Alter von 18 verlassen, dann zurückschaut und einfach sieht, wie sie mit dieser Krankheit doch gut zurechtkommen und leben können, ist das etwas sehr Schönes.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Warncke!

 

Leider fehlt es im klinischen Alltag auf vielen Stationen häufig an ausreichend Informations- und Schulungsmaterialien oder auch technischen Hilfsmitteln, die für das Trainieren im Umgang mit der Erkrankung wichtig sind. Bitte unterstützen Sie uns dabei, diese Herzenswünsche zu erfüllen.

 

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