„Ein Traumberuf mit viel Potenzial auf dem neuen KinderCampus!“

Interview mit den beiden Pflegedienstleitern in der Kinderklinik Schwabing Carmen Hübener und Christian Münsterer über den Beruf Kinderkrankenpfleger, die Berufsvorstellungen junger Leute und den entstehenden KinderCampus. 

War Kinderkrankenpfleger eigentlich schon immer Ihr Traumberuf?

Carmen Hübener: Für mich sicher, ich wollte immer für Kinder da sein und kranken Menschen helfen. Schon zur Schulzeit wusste ich, dass ich Kinderkrankenschwester werden würde. Und das ist bis heute mein Traumberuf geblieben, obwohl er auch sehr anstrengend und fordernd ist: es ist für mich jeden Tag aufs Neue eine große Befriedigung, unseren kleinen Patienten helfen zu können.

Christian Münsterer: Bei mir war das nicht so zielstrebig. Ich hatte zunächst Bauzeichner gelernt und bin erst durch meinen Zivildienst in der Kinderklinik Harlaching auf den Geschmack gekommen. Mit hat das dann aber sehr viel mehr Freude gemacht, mit Menschen zu tun zu haben, statt mit Bauprojekten. Obwohl ich auch den technischen Aspekt an unserem Job mag. Der Fortschritt der Medizinindustrie fordert ja auch uns Pfleger sehr, das finde ich spannend.

Wie fühlt man sich als Mann in diesem Frauenberuf?

Christian Münsterer: Als Exot (lacht). Nein, ganz so ist es auch nicht mehr. Damals in Harlaching war ich tatsächlich der erste männliche Pfleger, den die überhaupt hatten. Heute sind wir schon mehrere, und das ist auch gut so, die Kinder sind ja manchmal lange bei uns, und da sollen sie natürlich weibliche und männliche Bezugspersonen haben. Im Pflegealltag hat es manchmal Vorteile, manchmal Nachteile.

Inwiefern?

Christian Münsterer: Es gibt Situationen, da sind Schwestern froh, wenn ein Mann da ist, wir haben manchmal ja auch mit Drogen- und Alkoholexzessen von Jugendlichen zu tun. Anders sieht es manchmal aus, wenn ich in der Nachtschicht allein bin und sich ein pubertierendes Mädchen partout nicht von mir behandeln lassen will. Da ist dann viel Erfahrung und Vertrauen nötig.

Gibt es auch etwas, das Sie beide stört?

Carmen Hübener: Ja, das schlechte Ansehen unseres Berufs in der Öffentlichkeit! Pflege wird von der Gesellschaft nach wie vor nicht genügend honoriert. Vergleichen Sie das mal mit der Polizei: da steht eine Hundertschaft im Hintergrund in Bereitschaft, wenn jemand krank wird. Wir haben bei einer Erkrankung sofort ein Problem. Ein Polizist muss auch für den Nahverkehrt nichts zahlen, wenn er in der Uniform unterwegs ist. Wir Krankenpfleger leisten, ob im Kittel oder in Zivil, im Notfall immer kompetente Hilfe. Natürlich kann man die Aufgaben nicht vergleichen, aber es fällt schon auf, dass der Staat für Sicherheit sehr viel Geld ausgibt, für Pflege aber eher wenig.

Wirkt sich das auch auf Ihren Nachwuchs aus?

Christian Münsterer: Probleme mit dem Nachwuchs haben alle Kliniken, gleich ob Krankenpfleger für erwachsene Patienten oder für Kinder gesucht werden. Wir können sofort junge Frauen und Männer einstellen und sie sehr gut im Team gebrauchen. Ich kann junge Leute nur ermuntern, sich bei uns zu melden.

Woran liegt das?

Carmen Hübener: Für viele Schulabgänger ist der Pflegeberuf in Deutschland nicht interessant, weil man ihn nicht wie in vielen anderen Ländern studieren kann. Dadurch wird der Wert dieser Tätigkeit nicht so deutlich. Das soll sich jetzt aber zum Glück ändern.

Christian Münsterer: Dazu kommen ganz praktische Gründe: Arbeitszeiten, Schichtdienste, Wochenenden, Nachtarbeit. Auch junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens schauen heute auf die Work-life-Balance.

Carmen Hübener: Es gibt heuet weniger Helfertypen, von denen ich einer war. Die jungen Leute wollen schon soziale Berufe, gar keine Frage, aber der Beruf ist nicht alles. Sie wollen ihr Leben auch genießen, und da wird eine Pflegetätigkeit schon mal als hinderlich empfunden. Das Problem haben aber alle sozialen Berufe.

Was kann man dagegen tun?

Carmen Hübener: Wir können den Pflegeberuf entlasten von allen Tätigkeiten, die nicht pflegerisch sind, Essen austeilen zum Beispiel. Diesen Weg gehen die Städtischen Kliniken und stellen für diese Tätigkeiten Assistenzpersonal an.

Christian Münsterer: Wichtig ist auch, dass man den Beruf durch Akademisierung attraktiver macht. Aber man muss ihn auch ganz klar besser bezahlen. Auch da gibt es erste Schritte in der neuen Entgeltverordnung.

Carmen Hübener: Wir können unseren Beruf aber auch besser verkaufen und zwar jenseits von Schicht- und Nachtdiensten. Er ist nämlich, anders als so viele andere Berufe, die irgendwann in Monotonie enden, nie langweilig und jeden Tag aufs Neue erfüllend. Junge Menschen wünschen sich Sinn – gerade auch im Berufsleben. Wir haben diesen Sinn. Und wir haben hier in Schwabing auch ziemlich gute Bedingungen.

Meinen Sie damit auch den entstehenden KinderCampus auf dem Gelände?

Carmen Hübener: Ja natürlich. Zwar wird auch ein solcher Campus allein keine Pflegekräfte herbeizaubern. Aber wir werden einen Neubau bekommen, der top ausgestattet ist. Darum herum soll ein kompetentes Zentrum für Kindermedizin entstehen. Das wäre für viele junge Pfleger ein gutes Argument, sich hier zu bewerben. Ein solch weites Spektrum an Tätigkeiten wie hier bietet sich sonst an sehr wenigen Standorten. Wir rechnen schon damit, dass der Campus Leute von draußen anlockt, auch Spezialisten, die überregional attraktiv sind. Für unseren Traumberuf gibt es viel Potenzial auf dem neuen KinderCampus.

Es bleibt das Thema Gehalt.

Christian Münsterer: Ja, das bleibt ein Problem, obwohl es schon etwas besser geworden ist. Aber mit diesem Gehalt in München eine Familie zu ernähren, ist schwierig.

Carmen Hübener: Ich bin froh, dass auf dem KinderCampus Schwabing auch Wohnungen für Pflegekräfte geplant sind. Ich denke, das ist genau der richtige Weg. Damit haben wir ein gutes Argument in der Hand, denn junge Pflegekräfte tun sich in München schon sehr schwer, überhaupt eine Unterkunft zu finden.

Würden Sie Ihre Berufswahl unter den heutigen Bedingungen noch einmal so treffen?

Carmen Hübener: Ja, das ist ein Beruf, der tief erfüllt, und ich weiß nicht, ob man das heute von vielen Jobs sagen kann.

Christian Münsterer: Und auch wenn junge Leute heute anders sind, als wir es waren: zu uns kommen letztendlich doch nur Bewerber, die eine Leidenschaft dafür haben, Menschen zu helfen. Das ist sehr schön zu sehen.

Interview: Gerd Henghuber