„Der KinderCampus Schwabing wird eine starke Marke.“

 

Interview mit dem Schwabinger Kinderarzt Dr. Peter Bartels über die Notwendigkeit des KinderCampus Schwabing und den Mangel an Kinderärzten im Münchner Norden

Herr Dr. Bartels, was macht eine gute Kinderklinik aus?

Ein Ort, den ich Kindern und ihren Eltern mit ganzem Herzen empfehlen kann. Das Wichtigste dabei ist natürlich ein hervorragendes medizinisches Niveau, aber fast genauso wichtig ist eine liebevolle, persönliche Zuwendung der Ärzte und Pflegekräfte und ein freundliches Ambiente. Für mich als Arzt ist es auch erforderlich, dass die Ansprechpartner immer erreichbar sind und ich schnell und unkompliziert Diagnosen oder Werte erhalte.

Wie schneidet die Kinderklinik Schwabing demnach ab?

Sie ist eine der besten Kinderkliniken in Deutschland. Vom medizinischen Niveau her und der emotional fürsorglichen Betreuung der jungen Patienten und ihrer Familien.

Jetzt wird die Kinderklinik ja neu gebaut - warum ist das notwendig?

Der Altbau entspricht nicht mehr den Anforderungen einer modernen Klinik. Es war höchste Zeit für ein neues Klinikgebäude. Diesen Schritt sollte man allerdings konsequent tun und die neue Kinderklinik als Nukleus betrachten und um weitere Funktionen zu ergänzen, die über die bloße Akutversorgung hinausgehen. Ich sehe da im geplanten KinderCampus eine riesige Chance.

Welche weiteren Einrichtungen sehen sie?

Ich denke an Fachgebiete wie Psychosomatik, Gynäkologie, Orthopädie, auch ein sozialpädiatrisches Zentrum wäre sehr gut. Hinzukommen sollten Einrichtungen wir ein Kindergarten oder eine Schule für alle Kinder, die länger in der Klinik bleiben müssen.

Welchen Vorteil hat es, wenn diese Einrichtungen in einem KinderCampus beieinanderliegen?

Zum einen die schnelleren und einfacheren Prozesse. Zum anderen können dann die verschiedenen Einrichtungen interdisziplinär zusammenwirken und eine wirklich ganzheitliche Versorgung anbieten. Vieles ist ja schon vorhanden, der KinderCampus verbindet es organisatorisch und schafft Raum für noch fehlende Funktionen wie zum Beispiel ein Elternhaus. Ich sehe aber noch einen Vorteil und zwar die Kommunikationswirkung eines solchen Konzepts: wenn der KinderCampus nach außen als hoch-kompetente Einheit erkennbar wird, dann ist das ein starkes Argument: für einweisende Kinderärzte ebenso wie für Eltern sowie, ganz wichtig, für Mitarbeiter. Der KinderCampus kann eine sehr starke Marke werden, die uns auch auf dem schwierigen Markt für Pflegekräfte helfen kann.

Sie glauben, der KinderCampus kann gegen den Pflegenotstand helfen?

Auch ein KinderCampus Schwabing kann keine Pflegekräfte herbeizaubern. Aber ein derart kompetentes Zentrum wäre für viele junge Pfleger und Ärzte ein gutes Argument, sich hier zu bewerben, zumal auch Wohnungen für Pflegekräfte auf dem Areal geplant sind.

Es scheint aber auch andere Interessen an den Immobilien auf dem weitläufigen Schwabinger Klinikgelände zu geben.

Da fehlt mir der Einblick, aber ich meine, der Stadtrat wird eine Grundsatzentscheidung treffen müssen, ob er Spitzenmedizin für Kinder in Form eines ganzheitlich ausgerichteten KinderCampus haben möchte. Allerdings wird der Campus sowieso nur einen kleinen Teil des bisherigen Geländes ausmachen, und nicht für alle Funktionen, die vorgesehen sind, braucht mal viel Platz, sondern nur den politischen Willen.

Wird der KinderCampus auch neue Kinderärzte für den Münchner Norden anziehen? Die fehlen in Stadtvierteln wie Milbertshofen oder Hasenbergl ja auch.

Das Problem ist, dass die Kinderärzte in München sehr ungleich verteilt sind. Das Stadtzentrum, der Süden und der Osten der Stadt sind besser versorgt, während im Norden die wenigen Ärzte mit überfüllten Praxen kämpfen. Der KinderCampus allein wird dieses Problem nicht lösen, aber ich bin mir sicher, dass es interessanter für Ärzte sein wird, die sich überlegen, sich im Norden niederzulassen.

Und wenn nicht, dann gehen die Eltern halt mit Lappalien gleich in die Klinik?

Diesen Trend gibt es, ja. Wir raten aber grundsätzlich, dass Eltern mit ihren Kindern immer erst zu einem niedergelassenen Arzt gehen sollten, außer in einer akuten Notfallsituation natürlich. Ein Kinderarzt in der Praxis hat einen viel besseren Blick auf das Kind und die ganze Familie.

Ist Kinderarzt für Sie ein Traumberuf?

Eindeutig ja! Ich kann mir nichts anderes vorstellen und habe jeden Tag Freude. Auch weil wir bei echten gesundheitlichen Problemen helfen können, manchmal mit Hilfe eines so kompetenten Krankenhauses wie der Kinderklinik Schwabing. Vor allem aber freue ich mich über die vielen gesunden Kinder, die ich aufwachsen sehe. Ich möchte Eltern ein gutes Gefühl geben für die Gesundheit ihrer Kinder, man kann mit übertriebener Sorge auch viel kaputt machen. Insofern bin ich nicht nur Kinder- sondern manchmal auch Elternarzt.

Impfungen ja oder nein?

Keine Frage: ja natürlich.


(Interview: Gerd Henghuber)